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Allerheiligen – Allerseelen

Am 1. November feiert die katholische Kirche das Fest Allerheiligen. Wir gedenken der Menschen, die gezeigt haben, dass es möglich ist, ein gelingendes Leben aus dem Glauben zu leben. Heilige leben ganz aus Gott und von ihm her auf die Menschen hin.

Auch wenn es bei der Heiligenverehrung möglicherweise Übertreibungen gegeben hat, sodass sie beinahe wichtiger waren als Christus selber, so hat die Kirche immer daran festgehalten, dass es nur einen einzigen Mittler gibt: Jesus Christus. Sein Wirken ist in den Heiligen wirksam geworden.

Der Liturgiewissenschaftler Adolf Adam schrieb: “Zur Heiligenverehrung gehört aber nicht nur die Anerkenntnis, dass sie durch die Gnade Gottes zu Zeichen, Zeugen und Vorbildern christlichen Lebens geworden sind, sondern auch das Zutrauen, vor ihnen als Brüdern und Schwestern Christi die persönlichen Sorgen und Nöte auszubreiten und um ihre Fürsprache bei Gott, dem Geber aller guten Gaben, zu bitten, wissend um die brüderliche Solidarität aller, die den Mystischen Leib Christi bilden.”

Oft werden Heilige in verklärtem Licht dargestellt, ohne Ecken und Kanten, die keine Zweifel kannten und sich immer treu und bedingungslos in den Dienst Gottes und der Kirche gestellt haben. Die Lektüre der Heiligenbiografien zeigt jedoch, dass die Heiligen Menschen waren wie wir alle, die ringen mussten um ihren Weg, immer wieder an ihre Grenzen stiessen und oft genug Umwege in Kauf nehmen mussten. Es zeichnet sie aber aus, dass sie nicht aufgaben und immer neu die Beziehung zu Gott und den Menschen suchten, sich ihrer Unwürdigkeit bewusst waren und sich von Gott lieben liessen.

Das Fest Allerheilgen wurde im 9. Jahrhundert eingeführt, da es unmöglich geworden war, jeden Heiligen an einem besonderen Tag zu feiern. Zudem feiern wir an diesem Tag nicht nur die offiziell als Heilige Anerkannten, sondern alle, die heilig gelebt haben und in die Herrlichkeit Gottes zurückgekehrt sind. Also auch all die, von denen wir nicht einmal wissen, dass sie Heilige sind. Dieses Fest zeigt uns, dass auch für uns der Weg zur Heiligkeit möglich ist.

Am Tag nach Allerheiligen feiern wir Allerseelen. Nicht jedem Menschen gelingt es, ganz im Willen Gottes zu leben. Daher brauchen wir nach dem Tod eine Form der Vorbereitung oder Reinigung, um es überhaupt auszuhalten, vor Gott zu treten, der unendliche Reinheit, unendliches Licht ist. Für diese Verstorbenen, die sich in diesem Reinigungszustand befinden (oft mit dem etwas unglücklichen Wort „Fegefeuer“ bezeichnet), beten wir an Allerseelen, damit Gott sich ihrer erbarme und sie heilige.

So sind Allerheiligen und Allerseelen Gedenktage, die mit uns selber zu tun haben: Wir sollen uns bemühen, heilig zu sein, ganz auf Gott hin und aus ihm zu leben versuchen. Und wenn es uns nicht gelingt, so wird nach unserem Tod die Kirche für uns beten, damit uns Gott Erfüllung schenke.

Andreas Rellstab

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