Kein Weltuntergang

Gegen Ende des Kirchenjahres berichten die biblischen Lesungen in der Liturgie oft vom nahen Ende der Welt, von einer Zeit der Bedrängnis, vom Allzeit-Bereitsein. Nicht in der Liturgie, aber in den Filmen kämpfen Superhelden gegen die Vernichtung der Erde, die ihr aus den Tiefen des Weltalls droht. Menschliche Helden verhindern in Filmen das Weltenende, das durch die Menschen selber provoziert wird. – Weltuntergangsszenarien sind scheinbar faszinierend und werden immer wieder an die (Lein-) Wand gemalt.

Angesichts der Bedrohung findet der Mensch unerwartete Kräfte in sich, die ihn gegen die Auslöschung ankämpfen lassen. Und nur wenn die Superhelden und die Menschen einander helfen, können sie dem Untergang entkommen, so die oft implizierte Botschaft.

Auch Jesus spricht vom Ende, von Untergang und Chaos (Mk 13,24f.). Und auch er verheisst Rettung aus der Not. Er will nicht Angst machen, sondern zum Vertrauen ermutigen. Das scheinbare Ende wird nicht das Ende sein, sondern kündigt den an, der durch seine Hingabe „alle geheiligt“ hat und zur „Rechten Gottes“ thront (vgl. Hebr. 10,12.14). Und auch hier gehen Rettung und Gemeinschaft Hand in Hand, denn Jesus sammelt die „Auserwählten“, lässt die Menschen aus allen Himmelsrichtungen zusammenkommen. Verheissene Gemeinschaft mit ihm und Gemeinschaft untereinander sind Ermutigung, dass wir uns für ebendiese Gemeinschaft einsetzen.

Jetzt ist die Zeit der Vorbereitung, der Reifung. Im täglichen Dienst an den Mitmenschen üben wir uns in der Solidarität, die Leben über das Ende hinaus ermöglicht. Wir müssen nicht Superhelden sein, nicht über Superkräfte verfügen, sondern schlicht Unspektakuläres tun: Vertrauen darauf, dass das Ende nicht das Ende ist; vertrauen darauf, dass einer da ist und sein wird, der uns über Raum und Zeit hinweg nicht im Stich lässt.

Dieses Vertrauen hilft uns vielleicht jetzt in Corona bedingt schwierigen Zeiten, mehr zusammenzustehen, einander beizustehen und das Mögliche zu tun, um sie schleichende Zerstörung der Erde, um die zunehmende Vereinsamung und Abschottung aufzuhalten. Dass die Welt nicht untergeht, liegt auch in unserer Hand.

Andreas Rellstab

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