Madonna mit Kind

Die wunderschöne Madonna mit Kind ist restauriert und zurück in unserer Kirche. Vielleicht sieht man auf den ersten Blick gar nicht, dass sie restauriert worden ist, da sie nicht „frisch gestrichen“ wurde. Madonna und Kind wurden gereinigt, wo nötig repariert und retuschiert. Vor allem die Reinigung war wichtig: Russ von den Kerzen, Wachs und vor allem Fett (von Berührungen mit den Händen) haben Schäden und Verdunkelungen hinterlassen, die die Skulptur beeinträchtigt hatten.

So sehen wir nach wie vor Risse und Fehler. Ihre Geschichte soll man der Skulptur ansehen, sie ist ein Teil von ihr. So wie wir Hautflecken und Falten bekommen, so werden auch Skulpturen von ihrem Alter und ihrer Pflege geprägt. Maria und Jesus standen ja nicht über der Geschichte und damit über dem Vergehen, sondern haben sich als Menschen entwickelt und verändert. So bleiben sie für uns menschlich-nahbar, sozusagen „in Würde gealtert“.

Wir sehen das Kind auf dem Schoss seiner Mutter, im Buch des Lebens lesend (aktuell kommt mir natürlich sogleich die Assoziation mit dem Home-Schooling in den Sinn…). Maria ist gleichermassen der Thron, auf dem der Gottessohn sitzt. Das menschgewordene Wort und das Wort Gottes sind eins. Welch ein Trost, hier dem Leben selbst zu begegnen, eingebettet in die Liebe der Mutter. Das Kind kann gar nicht ohne Liebe sein.

Wir verehren Maria (wir beten sie nicht an!) als Muttergottes (Theotókos, Gottesgebärerin). Das ist letztlich eine Aussage über ihren Sohn, ein Satz der Christologie: Christus ist von Anfang an wahrer Gott und wahrer Mensch. Seine göttliche und seine menschliche Natur sind nicht zu trennen. Daher kann Maria nicht nur Mutter des Menschen Jesus sein.

Unsere gekrönte Madonna mit Kind wurde gegen Ende des 15. Jahrhunderts im Südtirol geschaffen und ist vermutlich schon bald nach der Kirchweihe nach Maria Krönung gekommen. Seither steht sie in der Oberkirche, mit einem Alarm gesichert (bitte nicht berühren!), und ist ein Ort, an dem viele Menschen ihr und dem Sohn ihr Herz ausschütten.

Pfr. Andreas Rellstab

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